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DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI
 

Die fetten Jahre sind vorbei
aus www.utopia.de
21.04.2009, Von Kathrin Bach (Redaktion)

Londoner Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass Übergewicht nicht nur dem Körper schadet, sondern auch der Umwelt. Immerhin stoße eine schlanke Bevölkerung mit einer Milliarde Menschen eine Gigatonne weniger Kohlenstoff aus als eine dicke. Kaloriensparen ist demnach auch gut fürs Erdklima.

Wer Gutes tun will, speckt also ab? In mehrfacher Hinsicht gilt das in Zeiten der Klimakrise: Während Greenpeace vergangenes Jahr mit dem Slogan “Abspecken fürs Klima” gegen spritschluckende Autos protestierte, setzen englische Forscher nun beim Menschen an. Schlanksein sei nicht nur besser für die Gesundheit, auch das Klima werde dadurch weniger belastet. Denn dünne Menschen erzeugten deutlich weniger schädliche Treibhausgase. Zu diesem äußerst streitbaren Schluss kommt die Studie der London School of Hygiene and Tropical Medicine, in der der Nahrungsmittelverbrauch von je einer Milliarde Fettleibigen mit dem von einer Milliarde schlanker Menschen hypothetisch miteinander verglichen wurde, berichtet das Wissenschaftsmagazin “New Scientist”.
 
Doch dünn sein ist nicht per se klimafreundlich, zwei Umstände sind für die Wissenschaftler Phil Edwards und Ian Roberts ausschlaggebend: Erstens verzehren dünnere Menschen weniger Nahrungsmittel. Als Beispiel wird in der Studie Vietnam angeführt, wo die Menschen durchschnittlich einen normalen Body Mass Index (BMI) besitzen. Hier esse die Bevölkerung bis zu 20 Prozent weniger als eine, in der wie in den USA bis zu 40 Prozent der Menschen übergewichtig seien, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin „International Journal of Epidemiology“.

Die Wissenschaftler haben weiter gerechnet – unter anderem, wie viel Nahrungsmittel die Menschen während ihrer üblichen Tagesaktivitäten konsumieren. Auch im Kalorienverbrauch zeigen sich die Unterschiede: Um einfach nur die Körperfunktionen aufrecht zu erhalten, würden Dickere bis zu 1.680 Kalorien, Dünnere aber nur 1.550 Kalorien täglich zu sich nehmen, berichtet Studienleiter Phil Edwards gegenüber pressetext. Das Klima-Plus der Schlanken liegt somit im geringeren Konsum - weil die Produktion von Nahrungsmitteln auch für den Ausstoß von vielen Treibhausgasen verantwortlich sei. Zweitens hätten die Untersuchungen ergeben, dass dünnere Menschen nicht nur weniger Kalorien, sondern auch weniger Sprit zur Fortbewegung benötigten: „Je schwerer wir sind, desto schwerer ist es, sich zu bewegen, und wir werden von unseren Autos abhängig“, lautet die Beurteilung der Wissenschaftler. Dicke Menschen würden somit mehr Auto fahren, weil sie sich körperlich weniger bewegen. Oder weniger schmeichelhaft formuliert: Übergewichtige erhöhen den Treibstoffverbrauch eines Autos oder eines Flugzeugs.
 
Verschiedene Gründe hätten die Untersuchung ins Rollen gebracht, ausschlaggebend seien dabei aktuelle Statistiken über das Essverhalten der Briten gewesen: Sie zeigen, dass bis zum Jahr 2010 rund 40 Prozent der Briten fettleibig sein werden. Auch interessant: der BMI eines durchschnittlichen Mannes in Großbritannien ist von 1994 bis 2004 von 26 auf 27,3 und einer Frau von 25,8 auf 26,9 gestiegen – das entspreche ungefähr einem zusätzlichen Gewicht von 3 kg. Wen wundert’s, immerhin ist das Vereinigte Königreich noch vor den Amerikanern “Weltmeister” im Verzehr von Fast Food. Hinzu gekommen wäre die gegenwärtige Diskussion um die steigenden Nahrungsmittelpreise und der Ausbau von Biotreibstoffen. Der steigende Fleischkonsum hätte angeblich keine entscheidende Rolle gespielt.

Dass Übergewicht nun zum „Schlüsselfaktor“ im Kampf gegen den Klimawandel gemacht wird, ist eine gewagte These – die uns trotzdem alle betrifft. Denn Übergewicht und Fettleibigkeit rückt mit der Globalisierung der Lebensstile nicht nur den Briten zunehmend zu Leibe - mit wachsender Verstädterung und Sesshaftigkeit haben sich Menschen weltweit an den Kalorienüberfluss gewöhnt. Ein sensibles Thema wird neu befeuert - und damit ein Teil der Gesellschaft, der ästhetisch und gesundheitlich ohnehin auf dem Prüfstand steht. Nicht die Dürren und Schlanken, die Dicken sind jetzt auch noch schlecht für die Umwelt. Na dann Mahlzeit – oder lieber nicht?



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