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AUS DICKEN KINDERN WERDEN DICKE ELTERN |
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X-LARGE. Wer als Kind übergewichtig ist, bleibt es meist ein Leben lang. Schuld will niemand sein, Maßnahmen laufen erst zögerlich an.
Wien.Auf die Generation X folgt die Generation X-Large. Übergewicht ist heute mehr denn je ein Problem der Jungen, die „Generation Chips“ (so ein Buchtitel zum Thema) ist keineswegs, wie man gerne glauben möchte, ein Phänomen der USA.
13jährige, die 100 Kilo auf die Waage bringen, sind auch hierzulande keine Seltenheit mehr. In Österreich sind zwischen 25.000 und 40.000 Kinder zu dick, in etwa jedes vierte Kind ist betroffen. Schon im Kindergartenalter sind 13 Prozent der Mädchen und 16 Prozent der Buben übergewichtig oder sogar fettsüchtig. Bei den Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren, die schwer übergewichtig sind, liegt Österreich europaweit auf Platz zwei.
Viele bedenkliche Zahlen, die auf ein nicht minder bedenkliches Zukunftsszenario deuten: Denn übergewichtige Kinder bleiben meist auch als Erwachsene dick, die dann mit hoher Wahrscheinlichkeit wiederum übergewichtige Kinder heranziehen. 85% der dicken Kinder haben auch übergewichtige Eltern. Ein Teufelskreis.
„Man kann von einer Zeitbombe sprechen“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler. Wächst doch eine (dicke) Generation heran, die früher unter Krankheiten leidet, die normalerweise erst bei Erwachsenen auftreten: Zu hohe Blutdruck- und Cholesterinwerte, ein höheres Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko. Die so genannte „Altersdiabetes“ tritt heute bereits bei Kindern auf. „Das kannten Kinderärzte bis vor kurzem gar nicht“, sagt Kurt Widhalm, Professor für Ernährungsmedizin an der Medizinischen Uni Wien. „In seltenen Fällen sind sogar Zweijährige von Altersdiabetes betroffen.“
Dazu kommen oft psychische Probleme (vermindertes Selbstwertgefühl, Depression). Wer verspottet wird, zieht sich weiter zurück, wird inaktiver und zum Frust-Esser. Die Spirale dreht sich weiter.
Schuld daran – auch wenn es abgedroschen klingen mag – ist „die Kombination aus zu wenig Bewegung und falschen Essgewohnheiten“, sagt Petra Rust vom Institut für Ernährungswissenschaften an der Uni Wien. Schon Kindergartenkinder, das hat der Ernährungsbericht 2003 gezeigt, überschreiten die empfohlene Tagesmenge an Süßigkeiten um 212 Prozent und essen dabei zu wenig Gemüse.
Es läuft also so manches falsch in Zeiten der Softdrink-Automaten in Schulen und Chips-Werbung im TV. „Die Verantwortung wird gerne anderen gegeben“, sagt Mediziner Widhalm. „Das Problem auf die Süßwarenindustrie zu schieben greift zu kurz“, sagt Rützler. Alle – Eltern, Lehrer, Politiker – müssten umdenken, weg von der schnellen Ess-Kultur. Denn in der 10-Minuten-Pause „ist der Schokoriegel oft die einfachste Lösung“. Vorbei die Zeiten der drei fixen Mahlzeiten am Tag, Kindern fehle die Orientierung, wie viel sie eigentlich essen. Es sei bedenklich, „dass viele Eltern ihre Kinder entscheiden lassen, was sie essen wollen“. Dass Stars wie Christina Stürmer Werbung für Fast-Food-Ketten machen, „ist sicher nicht sehr hilfreich“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Rust.
Zum Aufessen verführt
Kinder müssen, so Rützler, lernen, zu erkennen, wann sie satt sind. Der große Fehler: „Immer noch verführen Eltern ihre Kinder zum Aufessen und belohnen sie mit Süßem“. Dass das Kind immer dicker wird, „nehmen viele Eltern nicht als Problem wahr“, sagt Widhalm.
Um die Entwicklung aufzuhalten, meint nicht nur Widhalm, braucht es umfassende Prävention, etwa in Schulen. „Mit billigen Info-Kampagnen wird man die Kurve nicht kratzen können.“
Vielversprechend sei das mehrjährige EU-Projekt „Helena“, das das Ernährungs-Verhalten Jugendlicher untersucht. Nach der Auswertung sollen individuelle Ernährungs-Programme erarbeitet werden. Einer der Vorschläge: Die Industrie soll gesunde Produkte optisch ansprechend aufarbeiten. Viele Hersteller bieten heute zucker- und fettreduzierte Waren an. Positiv, meint Rützler. „Aber ein paar neue Produkte werden das Problem nicht lösen.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2007)
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FOCUS 36/2007 | Gesundheitsstudie: Viele Kinder haben Übergewicht
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